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Vergessene Welten und blinde Flecken: Die mediale Vernachlässigung des Globalen Südens

ISBN 978-3-948083-17-5 (pbk); 978-3-948083-16-8 (pdf)

CC BY-SA

" Die vorliegende Langzeitstudie, die u.a. die fünfzehnminütige Hauptausgabe der wichtigsten deutschsprachigen Nachrichtensendung, der Tagesschau, in den Jahren 2007 bis 2016 (sowie zum Vergleich 1996 und als Ergänzungen 2017–2019) ausgewertet hat (also insgesamt ca. 5.100 Sendungen bzw. etwa 1.275 Stunden), zeigt, dass die Berichterstattung geografisch sehr unausgewogen ist. So hat die „20:00 Uhr“-Tagesschau, die aktuell von ca. 10 Mio. Menschen verfolgt wird, zwischen 2007 und 2016 22.213 Berichte ausgestrahlt, in denen Deutschland erwähnt wurde. Ein Staat wie Tansania mit mittlerweile über 55 Mio. Einwohnern, wurde in dieser Zeit in nur 12 Berichten erwähnt, die Republik Madagaskar, die aktuell etwa 25. Mio. Einwohner hat, sogar in nur 3. Noch deutlicher fällt die Differenz bei den Topthemen (Schlagzeilen) aus: Nur selten schaffen es Länder in Lateinamerika, Subsahara-Afrika oder Südasien in die Topnachrichten des Tages. Die Beiträge konzentrieren sich überproportional intensiv auf den sog. Westen und die Länder des Nahen Ostens bzw. der MENA (Middle East North Africa)-Region. Dies geschieht insbesondere zu Lasten anderer Staaten des Globalen Südens (der sog. Dritten Welt/Entwicklungsländer). Nimmt man z. B. die Bevölkerungszahlen der Länder als Grundlage, wird deutlich, dass der größte Teil des Globalen Südens stark vernachlässigt wird. Der über 100 Mio. Einwohner zählende afrikanische Staat Äthiopien beispielsweise müsste, gemessen an der Einwohnerzahl, in etwa 860 Prozent mehr Berichten erwähnt werden, Mosambik und Madagaskar in 1.960 bzw. 3.265 Prozent. Einige Staaten, wie beispielsweise Sambia, Bhutan oder Lesotho, wurden in über zehn Jahren sogar kein einziges Mal erwähnt.
Dass eine Karte der Berichterstattungen grundsätzlich auch anders aussehen könnte, zeigt die Auswertung der Presseerklärungen aus den Jahren 2007-2016 des Hilfsbündnisses Aktion Deutschland Hilft, in denen angesichts einer außergewöhnlichen Notlage auf Unterstützung angewiesene Staaten erwähnt wurden. Die unausgewogene Berichterstattung kann teilweise höchst dramatische Formen annehmen. Auf die bis heute anhaltende Hungersnot in Ostafrika und der Tschadseeregion, von der am Ende des Jahres 2017 fast 37 Mio. Menschen betroffen waren,1 entfielen in der Hauptausgabe der Tagesschau von den insgesamt ca. 3.160 ausgestrahlten Berichten (ohne Sport) nur 11 Beiträge. Diese hatten eine Gesamtdauer von ca. 20 Minuten. Mit der weltweit größten jemals gemessenen Cholera-Epidemie, die sich im Jemen ausbreitete, beschäftigte sich die Tagesschau im Jahr 2017 sogar in lediglich etwa 16 von insgesamt ca. 5.475 Sendeminuten. Beiden Katastrophen widmete die Tagesschau-Hauptsendung nur äußerst geringe Anteile ihrer Gesamtsendezeit." (Zusammenfassung der Studie, Seite 9)
I. ZUSAMMENFASSUNG DER STUDIE MIT DEN WICHTIGSTEN ERGEBNISSEN, 9
II. DARSTELLUNG, 21
Methodik -- Desinteresse und Ungleichbehandlung: Drei Fallbeispiele: Die Hungersnot in Afrika 2017 -- Die Cholera-Epidemie im Jemen 2017 -- Sturm- und Flutkatastrophen im Juli bis Oktober 2017
III. GRAFISCHE VISUALISIERUNGEN DER ERGEBNISSE, 57
Übersicht der grafischen Visualisierungen -- Grafische Visualisierungen
IV. ANHANG, 100
Alphabetische Übersicht der Erwähnungen von Staaten in den Berichten der Tagesschau Hauptsendung 2007–2019 (sowie zum Vergleich 1996) (mit Anzahl der Berichte) -- Entwicklungen der Berichtintensität über ausgewählte Staaten in der Tagesschau- Hauptsendung 2007–2016 -- Grafische Visualisierungen -- Topthemen 2007–2016 -- Episodentitel der Sendungen der politischen Talkshow Anne Will 2007–2020 -- Tafeln der Ausstellung Vergessene Welten und blinde Flecken