Diskurskultur
Aus Politik und Zeitgeschichte, volume 73, issue 43-45 (2023), 53 pp.
ISSN 0479-611X
"Miteinander reden zu können, ist nicht nur eine Voraussetzung für gelingende soziale Beziehungen im Privaten, sondern auch für das Funktionieren ganzer Gesellschaften. Insbesondere für pluralistische Demokratien ist es keineswegs gleichgültig, ob die unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen miteinander kommunizieren können oder nicht. Wer Bürgerinnen und Bürger als zentrale Legitimationsinstanzen in der Demokratie begreift, muss voraussetzen, dass sie gemeinsam über ihre konkurrierenden Auffassungen von guter demokratischer Politik sprechen und streiten können – und bereit sind, sich gegebenenfalls vom besseren Argument der Gegenseite überzeugen zu lassen. Das zumindest ist die Grundidee des „herrschaftsfreien Diskurses“, wie ihn der Philosoph Jürgen
Habermas weit über wissenschaftliche Kreise hinaus bekannt gemacht hat [...] Der vergleichende Blick auf die liberalen Demokratien des Westens zeigt, dass der Verlust von gesellschaftlicher Kommunikationsfähigkeit oft mit einem Verlust an demokratischer Qualität einhergeht. Tief gespaltene Gesellschaften sind meist keine gut funktionierenden Demokratien. Wer dem entgegenwirken
will, wird kommunikative und andere Arten der Spaltung überwinden und dabei auch diejenigen einbeziehen müssen, die sich aus dem demokratischen Diskurs zu verabschieden drohen, rationalen Argumenten aber noch zugänglich sind. Im Gespräch zu bleiben ist, hier trifft das Wort tatsächlich einmal zu, alternativlos." (Editorial)
Habermas weit über wissenschaftliche Kreise hinaus bekannt gemacht hat [...] Der vergleichende Blick auf die liberalen Demokratien des Westens zeigt, dass der Verlust von gesellschaftlicher Kommunikationsfähigkeit oft mit einem Verlust an demokratischer Qualität einhergeht. Tief gespaltene Gesellschaften sind meist keine gut funktionierenden Demokratien. Wer dem entgegenwirken
will, wird kommunikative und andere Arten der Spaltung überwinden und dabei auch diejenigen einbeziehen müssen, die sich aus dem demokratischen Diskurs zu verabschieden drohen, rationalen Argumenten aber noch zugänglich sind. Im Gespräch zu bleiben ist, hier trifft das Wort tatsächlich einmal zu, alternativlos." (Editorial)
Krise und Kritik des verständigungsorientierten Diskurses / Simone Jung, Victor Kempf, 4
Deliberative Demokratie nach der digitalen Transformation / Cristina Lafont, 11
Die Redaktionelle Gesellschaft. Eine konkrete Utopie / Bernhard Pörksen, 18
Wissenschaftliche Diskurskultur zwischen Freiheit und Politisierung / Elif Özmen, 25
Rechtspopulistische Diskursverschiebungen / Ruth Wodak, 31
Rassismus, Antisemitismus und das Ringen um Deutungshoheit / Meron Mendel, 36
Cancel Culture Revisited. Zwei Perspektiven / René Pfister, Adrian Daub, 42
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